Ausflug mit der Regionalgruppe Berlin- Brandenburg oder ein Bericht über Waldläufer und violette Träume
Seit 3 Jahren laden abwechselnd die Regionalgruppen III & IX zu einer gemeinsamen Wochenendexkursion ein. Da kann man schon mal von einer kleinen Tradition sprechen. Auch Tradition ist die geringe Teilnahme der Mecklenburg- Vorpommern. Leider
Aber es war jemand dabei der allen Naturfotografen aus dem Nordosten von der Reise in den „Mittleren Osten“ berichten kann und das bin ich.
Sandra Bartocha übernahm in diesem Jahr die Organisation der Exkursion und lud in eine Region nahe Eisenhüttenstadt ein. Bis auf ein paar wenige Fotos aus dem Gebiet, die bei allen Betrachtern den „Auch haben wollen Reflex“ auslösten, war das für mich bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Der südöstlich von Berlin gelegene Naturpark Schlaubetal mit der Reicherskreuzer Heide war anvisiertes Reiseziel. Wir Mecklenburg- Vorpommern sind ja so ein bisschen verwöhnt was die Naturräume anbelangt, bleiben auch deshalb ganz gerne zu Hause und lästern über das Bundesland südlich von hier so ein bisschen a la „Sandmeer, Kiefernmeer, nichts mehr…“
Kiefernwälder gab es ohne Ende- eigentlich schon die erste fotografische Herausforderung aus der scheinbaren Monotonie ein grafisch und farblich spannendes Bild zu machen. Der Rest war nicht auf Sand gebaut und hielt das Versprechen auf ein wunderschönes Wochenende mit Freunden draußen in der Natur…
Freitagabend, 4. September 2009: Trotz etwas verwirrender Landkarten, irritiere Navis und der obligatorischen, alle zeitlichen Planungen über den Haufen werfende Umleitung, erreichten an die 20 Fotofreunde mit Freunden/ Familien bis zum Einbruch der Dunkelheit die wunderschöne Jugendherberge Bremsdorfer Mühle direkt im Schlaubetal. Alle, bis auf Martin Mildenberger mit seiner Familie UND Beamer & Leinwand. Gemütlich in einer seinem schon fast kultigen Reisegefährt angepassten Geschwindigkeit schaukelte er über die Landstraßen…
Eine telefonische Kontaktaufnahme gestaltete sich schwierig. Kein Empfang bei fast allen Telefonanbietern und so sollte es ein telefontechnisch ruhiges Wochenende ohne Pfeifen, Fiepten, Trällern, Jaulen aus Hosen-, Jacken- und Handtaschen werden.
Also wurden erst einmal die großen Landkarten entrollt, Pläne für den nächsten Morgen geschmiedet und Wanderrouten für Tagesausflüge schon mal verbal per Fingerzeig abgelaufen.
Irgendwann fuhr dann auch Martins „rollende Berghütte“ vor und ab dann wurden bis spät in die Nacht bei Bier & Wein nicht nur Chips- und Schokoberge verdrückt sondern auch der Bilderhunger gestillt.
Ich gebe es ja ganz ehrlich zu- ein paar Bilder habe ich echt verpennt. Aber gegen Mitternacht schauten auch andere sonst sehr enthusiastische Naturfotografen recht kleinäugig aus der Wäsche. Der Gedanke nur wenige Stunden später den Wecker klingeln zu lassen und sich aus dem warmen Bett zu pelzen um bei Sonnenaufgang das Fundament für einen weiteren digitalen Datenbilderberg zu legen, löste nicht wirklich Begeisterung aus. So wurden die Wecker eher aus reine Alibihandlung gestellt um mit einem vorsichtigen Blick aus dem Fenster festzustellen zu können, dass der Himmel tristes Einheitsgrau trägt, der Sonnenaufgang wegen ist nicht ausfällt und man völlig entspannt bis zum Frühstück weiterschlafen kann…
So wurde dann der Weckruf gegen 5.00 Uhr „Es ist sternenklar“ dann auch mit „Och nöö, nicht wirklich“ kommentiert. Aber die Gruppendynamik macht es leichter die übermüdeten inneren Schweinehunde niederzukämpfen und immerhin 7 Fotografen machten sich auf den Weg in die Reicherskreuzer Heide. Der Sonnenaufgang wurde nicht spektakulär, der Wind blies heftig, aber es war ein schöner Morgen zwischen Birkenwäldchen und violetter Heide ohne Ende. Und eine Nase voll Waldduft und frische Luft in Lunge und Hirn hat noch nie geschadet.
Auf dem Rückweg zu Frühstückskaffee & Co. wedelten die Scheibenwischer die ersten Regentropfen von den Autofrontscheiben. Und aus dem ersten Getröpfel wurde ein richtiger ausgewachsener Regen…
Der dann aber auch irgendwann wieder vorbei war und die bis dahin recht lethargischen Fotografen in den Aktivmodus umschalten lies. Die meisten machten sich auf in das nahgelegene Schlaubetal, das als eines der schönsten Bachtäler Brandenburgs ausgewiesen ist. Mit Superlativen ist das ja immer so eine Sache, aber diese Tal und die umliegenden Wälder sind wirklich sehr schön, vielgestaltig und reizvoll. So verwunderte es nicht, dass nur die wenigsten Fotofreunde das geplante Wanderziel erreichten. Nicht aus konditionellen Gründen sind viele links und rechts vom Weg liegen- und hängengeblieben. Es war die Vielfalt an Motiven die die kleine Karawane sehr weit auseinanderzog…
Mit einem „Oh, schau nur“ oder „Ist das schön“ verschwand der eine oder andere Fotograf im Dickicht oder blieb wie angewurzelt auf dem Weg stehen um sich dann im Wortsinne in saftgrünen Moospolstern zu versenken, Minipilzwäldchen zu fotografieren oder dicken Käfern auf den Nichtpelz zu rücken. Manch einer verschwand für Stunden im grünen Wald. Stellenweise kam es zu Zusammenballungen um ein fotografisches Objekt der Begierde, die gerne mit intensiven Grundsatzdiskussionen über die völligen Unzulänglichkeiten von NIKON und CANON endeten- je nachdem welches Kamerasystem man gerade selbst im Wald spazieren trug.
Es wurde mit vollem Einsatz fotografiert und diskutiert. Jeder entdecke für sich Spannendes und Lohnendes.
Für die mitgereisten Kinder war der Wald eh der größte Abenteuerspielplatz der Welt und alle Erwachsenen wirkten Stunden später zwar teilweise etwas erschöpft mit verrutschter Frisur und dreckigen Knien, aber genauso glücklich.
Die Aussicht auf eine Portion Coffein & ein Stück Kuchen in der Bremsdorfer Mühle verkürzte den Rückweg gewaltig und was dort zu Kaffee und Kakao serviert wurde war nicht nur gewaltig, sondern unglaublich- megalecker und in unbekannten Dimensionen.
Bei dem kurzen Zwischenstopp in der Unterkunft wurden erschöpfte Akkus reaktiviert, Linsen geputzt und neue Ziel auf der Karte angepeilt.
Die Fotografenautoladung mit der ich unterwegs war, hatte sich einen der vielen kleinen Waldseen als nächstes Motiv ausgesucht. Viel mehr als ein kurzer Blick und 2-3 Kameraeinstellungen sind es nicht geworden. Vor das gegenlichtspotbeleuchtete Seerosenidyll schoben sich viel zu schnell fette dunkelgraue Regenwolken. Eine Umrundung auf dem schmalen Ufertrampelpfad viel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser und verwandelte uns in ein paar recht desolat aussehende & triefend nasse Gestalten. Das war einer der Momente in denen wir den Lieblingstraum aller Landschaftsfotografen vom schirmtragenden und linsentrocknenden Assistenten träumten… denn mal ehrlich, richtig spannend wird’s doch erst, wenn die Elemente toben.
Da die einzige Konstante des Wetters an diesem Tag die permanente Wechselhaftigkeit war, wurde das Abendessen für alle die die nach der nachmittäglichen Tortenorgie immer noch /schon wieder essen konnten, eher ein Schnellimbiss.
Eine kleine Autokarawane setzte sich wieder in Richtung Reicherskreuzer Heide in Bewegung in fotografierte bis zum Einbruch der Dunkelheit alle Variationen des Themas Violett. Und obwohl man fast noch auf Sichtentfernung voneinander fotografiert hatte, fragte man sich später beim Blick auf fremde Kameradisplays, wo in Gottes Namen die an dem Abend waren… Sicher an einem völlig anderen Ort!
An dieser Stelle könnte ich jetzt die Freitagsabendtextpassage ein weiteres Mal einkopieren- Bilderschauen bis auch die Letzten sich auf die Suche nach ihrer Bettdecke machten…
Bei Agatha Christi hieß es „Da waren es nur noch Neun“ und ähnlich schrumpfte das Fotografenhäuflein zum Sonntagmorgenvorfrühstücksausflug zusammen. Auch ich weiß vom Sonnenaufgang nur vom Hörensagen zu berichten und wählte den direkten Weg zum Frühstücksbuffet. Mit steigendem Koffeinpegel wurden die Gespräche lebhafter, die verschlafenen Gesichter weniger bleich und Pläne für den Sonntag wurden diskutiert.
Das Quartier wurde geräumt und wieder einmal die Ladefähigkeit von Autokofferräumen an Fotorucksäcken und Stativen getestet. Es ist unglaublich was für einen Haufen Krempel man als Naturfotograf meist völlig klaglos durch die Landschaft schleppt ;-)
Die Ersten machten sich auf den Heimweg. Ander brachen auf zu neuen Zielen in Wald & Heide.
Sicher waren sich alle in einem Punkt- das war nicht der letzte Ausflug in das Schlaubetal.
Ein herzlicher Dank an Sandra Bartocha für die Organisation des schönen Wochenendes, an Marc Hesse & Martin Mildenberger als Leiter der Gruppe – es ist immer wieder spannend mit euch unterwegs zu sein- und an die Jugendherberge Bremsdorfer Mühle.
Claudia Müller
Bilder: Michael Dieke, Claudia Müller