Besuch von Herrn Sommer, mit kleinen Pilzen auf Augenhöhe oder ein Bericht von der Exkursion der GDT Regionalgruppe IX & lieben Gästen aus Kiel zur Krüseliner Mühle vom 30.9.-3.10.2011

"Wir müssen von Zeit zu Zeit in Sümpfen waten, wo Rohrdommel und Sumpfhuhn hausen, müssen den Schrei der Schnepfe hören und das flüsternde Schilf riechen, wo nur wildere einsamer Vögel ihre Nester bauen und die Sumpfotter dicht am Boden bäuchlings kriecht. Wir streben ernsthaft danach, diese Dinge zu erforschen und kennenzulernen, und verlangen doch gleichzeitig, dass alles geheimnisvoll und unerforscht bleibt, das Land und Meer unendlich wild, ungesehen und ungemessen bleiben, weil sie unermesslich sind. Niemals können wir genug Natur bekommen."
Mit diesen Worten von Henry D. Thoreau fängt der Bericht über das lange Wochenende an der Feldberger Seenlandschaft an und könnte damit auch gleich wieder enden. Denn das Zitat bringt Vieles von dem auf den Punkt, was viele "Ausflügler" empfunden haben, die gemeinsam durch die Wälder streiften, an stillen spiegelblanken Seen standen, nachts in einen unendlich weiten und funkelnden Sternenhimmel schauten und in der Dunkelheit dem leisen Schnattern der ziehenden Wildgänse lauschten...

Aber der Reihe nach...
Mit einem großen Glas leckerer Holunderblütenlimonade begann mein Wochenende an der Krüseliner Mühle. Damit konnte eigentlich fast nichts mehr schief gehen und was doch nicht ganz so perfekt lief an den 3 Tagen, verbuche ich unter dem Kapitel "man muss ja was zu erzählen haben...".
An die 25 GDTler und Freunde der Naturfotografie hatten sich allein oder mit ihrer Familie auf den Weg bemacht. Wir konnten aus Potsdam in unserer Runde Bernd Walz und Ralph Gräf und aus dem ferne Kiel Werner Bollmann mit seiner Familie, Sigi Zank und Monika Bruisch begrüßen. Laut Kalender war der Sommer schon lange Geschichte und der Herbst sollte beginnen seine Farbeimer zu sortieren. Aber auch Kalender sind irgendwie nur noch Richtwerte und so verbrachten wir die Zeit in der Feldberger Seenlandschaft bei Temperaturen, wie wir sie in den zurückliegenden verregneten und stark unterkühlten Monaten gerne genossen hätten. Die Landschaftsfotografin in mir kräuselte angesichts des reiseprospektazurblauen völlig wolkenfreien Himmels ein bisschen die Stirn, aber der Rest in mir reckte die Nase in die Sonne und stellte um auf Genussmodus.
Die klaren kalten Nächte bescherten uns zum Sonnenaufgang nebelverhangene Landschaften und eine tautropfenglitzernde Spinnenwebenmärchenwunderwelt.
So war mancher schon vor dem Frühstück um 9.00Uhr sehr munter und endorphingeflutet und der Kaffee eher zum Aufwärmen klammer Finger nötig. 9.00 Uhr Frühstück und 20.00 Uhr Abendessen waren übrigens die einzigen festen Punkte an diesem Wochenende. Die Zeit davor, dazwischen und danach verbrachte jeder wie er mochte... Und so würde es wohl an die 20 völlig unterschiedliche Berichte geben frei nach dem Motto "Wart ihr auch da???"
Deshalb fasse ich mich kurz und Marc Hesse wird etwas ganz anderes zu berichten haben.
Ich war am Sonnabend mit einer Gruppe Naturfotografen unter der fachkundigen Führung von Dr. Peter Wernicke unter anderem in den heiligen Hallen unterwegs. Der Peter kam mit uns aber nicht wirklich weit. An den ersten zu Totholzhaufen geschrumpften Baumgiganten kamen wir ja noch vorbei, dann wurden die Schritte langsamer und die Hälse länger und schon fielen die ersten Fotografen auf die Knie und kramten ihr Makrozeugs zusammen...
...Die Wunderwelt der kleinen Pilze hatte uns in ihren Bann gezogen. Als "Ureinwohner" vergisst man gelegentlich, wie schön das Land ist, in dem man lebt. Bei diesem Gedanken ertappte ich mich immer wieder, als ich am Sonntag gemeinsam mit Bernd Walz, Ralph Gräf und Silko Bednarz zu einer "kleinen Landpartie" aufgebrochen war. Ein Himmel so unendlich weit wie blau. Eine Landschaft so schön, das man auf der Karte kaum alle potentiellen Motivstandorte kennzeichnen kann und gleich ein einziges riesiges Smiley einzeichnen mag...
Irgendwann lagen wir aber wieder im Moos bei unseren kleinen pilzigen Freunden mit einer für kreative Freiläufe vom warmen Licht perfekt ausgeleuchteten Kulisse.
Am Montag verwanden neben den sieben Sachen auch viele Erinnerungen an schöne und intensive Momente im Reisegepäck. Ein herzlicher Dank an Werner Bollmann für seinen Vortrag über seine Arbeitsweise und die Einsichten in eine fotografische Gratwanderung zwischen Agenturfotografie und Bildern die das Herz berühren. Und vielen Dank dafür, dass wir fast das Premierenpublikum für „Nordische Momente“ sein durften.
Vielen Danke an Bernd Walz der uns mit seinem Vortrag über "Stil in der Fotografie" kluge Gedanken und noch mehr Fragen mit auf den Weg geben hat. Er hat uns ganz neue Blickwinkel auf die Fotografie eröffnen...
Danke an alle, die mit ihren zur Diskussion gestellten Fotografien gezeigt haben, was Naturfotografie sein kann und darf: von klassisch, langzeitbelichtet, abstrakt bis Schwarz & Weiß. Und Mirko Dressler hat mit seinem kleinen Portfolio einen super Einstand hingelegt. Wir sind neugierig auf mehr!
Danke an alle, die bei der Vorbereitung des Treffens geholfen und immer wieder zwischendurch mit angefasst haben. Danke an alle, die durch feinen Humor, brillante Geschichten und einfach dadurch, dass sie dabei waren, das Treffen für alle haben so schön werden lassen. Danke an das Team vom „TENZO“ für den kulinarischen Höhepunkt des Wochenendes und an den „Rosalienhof“ für die Geduld mit einem großen Haufen an Individualisten.

Mit einen Zitat (frei nach Capa) möchte ich auch enden: "Wenn dich ein Bild nicht berührt, warst du nicht nah genug dran…" Ob es dabei um eine tatsächliche oder eher um eine "gefühlte" Entfernung geht, wäre der Anfang für eine neue Geschichte.

In diesem Sinne

Claudia Müller