Ein Besuch in der Kormorankolonie Niederhof - ein Tag in Schwarz & Weiß
Ein paar Mitglieder der Regionalgruppe waren meiner Bitte um ein rotes Kreuz im Kalender nachgekommen um den Termin Mitte April zur fotografischen Kormoranjagt in der Kolonie Niederhof nicht zu verpassen. Um es vorwegzunehmen- irgendwie sind wir in dem recht übersichtlichen Gebiet (dachte ich zumindest bis zu diesem Zeitpunkt) trefflich aneinander vorbeigelaufen. Viele Wege führen halt nicht nur zum Ziel, manchmal auch nur aneinander vorbei. Mit drei Herren war ich im Gebiet unterwegs. Vom Rest weiß ich nur durch Autokennzeichen auf dem Parkplatz bzw. Bild- und Textberichte, das sie an diesem Nachmittag auch ihren (fotografischen) Spaß hatten.
Das Aprilwetter bewies, dass es bei Bedarf auch schon Mai kann und zeigte sich von seiner sonnig warmen himmelblauen Seite mit ein paar fotogenen Wolkenfransen am Himmel. Manchmal läuft einem der Satz des Tages förmlich über den Weg. Auf dem Wanderweg quer durch den wildromanischen ehemaligen Gutspark ist es uns so ergangen, als eine vorbeiradelnde Dame zu ihren Mitpedaltretern meinte: „Ist das nicht furchtbar, das in diesem schönen Park diese hässlichen Viecher sind…“ Nur waren eben jene hässlichen Viecher 1954 der Grund, das eben dieser schöne Gutspark Niederhof in der ehemaligen DDR unter Schutz gestellt wurden. Phalacrocorax carbo hatte hier nach seiner Ausrottung in Gesamtdeutschland wieder seine erste kleine Kolonie bildeten. Dr. Hans- Jürgen Gottschalk aus unserer Gruppe wusste zu berichten, das schon damals, als er mit dem Sohn des Parkgärtners als kleiner Schulbub durch den Wald streifte, die ersten Kormorane mehr als polarisierten und es nicht wenige gab die den Vogel des Jahre 2010 gerne weiter im Status „ausgestorben“ gesehen hätten... Wenn man bei Google den Suchbegriff Kormoran eingibt merkt man schnell, auch ein gutes halbes Jahrhundert später hat sich daran nichts geändert. Und wenn Kormorane im Internet surfen könnten, würde sich ihr Nackengefieder bei der Lektüre einiger Diskussionsforen gehörig sträuben.
Ihren Ursprung hat die Kormorankolonie in der Waldkolonie, unserem erster Anlaufpunkt. Zu den gängigen Sinneseindrücke eines lichten zartgrünen Buchenwaldes in denen der Meister Frühling einen perfekten Buschwindröschenteppich ausgerollt hatte, mischten sich 2 völlig neue Komponenten: ein etwas penetranter Geruch und das übliche Waldvogelkonzert wurde von einem immer lauter werdenden Knarren, Kreischen, Quorzen, Keckern und Schnarren übertönt. Bei ängstlichsten Zeitgenossen würde diese Geräuschkulisse in finsterer Nacht mit Sicherheit für abgenagte Fingernägel sorgen…
Kann man aber auch völlig ignorieren und sich wie Giesbert Kühnle erst einmal völlig entspannt den zart duftigen Buschwindröschen widmen.
Im Gänsemarsch ging es den schmalen Weg weiter in Richtung Süden zur Feldkolonie. Für mich ist sie aus grafischer Sicht durch die prägnanten Silhouetten der abgestorbenen Bäume wesentlich reizvoller. Auch ist man hier in Hinblick auf wechselnden Sonnenstand ein bisschen flexibler.
Die nächsten Stunden verbrachten wir mit fotografischen Notizen aus dem Leben der Kormorane. An-, Ab- & Überflüge boten neben den Interaktionen der Brutpaare am Nest unzählige Motive. Als sich alle „warmgearbeitet“ hatten, wurde das Licht auch ein bisschen weicher und kontrastfreundlicher. Nach den ersten „VogelgetroffenBildern“ wurde es nun Zeit für „richtige Bilder“. Der am späten Nachmittag aufgehende Mond bot die nächste Herausforderung: wer erwischt einen der vom nahen Bodden heimkehrenden Kormoranstaffeln vor seiner Silhouette.
Mit Dr. Lothar Wölfel hatten wir ein von „Amtswegen“ sehr wissendes Mitglied unter uns, das uns kompetent mit vielen Fakten zur Kolonie- und Bestandsentwicklung versorgte.
Insgesamt zeigten sich die Kormorane etwas nervöser als wie wir es aus den zurückliegenden Jahren gewohnt waren. Die für dieses Jahr geplanten Vergrämungsmaßnahmen zeigen wohl ihre Wirkung.
Letzte Sonnenspots brachten am Abend einzelne Baumtorso der Waldkolonie zum leuchten. „Unter erschwerten Bedingungen“ haben wir versucht diese aus dem Wirrwarr aus Stämmen und Ästen herauszuarbeiten.
Von den allerletzten lichten Momenten in Niederhof weiß ich selbst nichts zu berichten, da ich zu diesem Zeitpunkt schon wieder in Richtung Heimat unterwegs war…
Das Schlusskapitel übernimmt der Giesbert an dieser Stelle für mich:
„Lothar und ich waren dann nochmal zum milchigen Waldsee gegangen der noch etwas Abendsonne abbekam. Dort sind auch einige markante und fotografisch isolierbare Baumleichen, des einst "wunderschönen Waldes", zu finden auf denen nun diese "hässlichen schwarzen Vögel" sitzen. Die Leichen würden sich ganz hervorragend dazu eignen beiden Beteiligten doch etwas Ästhetik zu verleihen. Das Licht war an den Stellen zwar schon weg, aber die Vögel dort waren durch die viel belaufenen Waldwege weitaus weniger scheu als am Waldrand.
Wir haben uns zum Abschluss den frischen flauschigen Blättern einer kleinen Buche zugewandt, bis die Isozahlen trotz Offenblende in unbekannte rauschige Höhen anstiegen.“
Sicher haben wir mit den Bildern die an diesem Nachmittag entstanden sind die Kormoranfotografie nicht revolutioniert, aber es war schön, wieder für ein paar Stunden gemeinsam mit Euch in Feld & Wald unterwegs gewesen zu sein.
Ein herzlicher Dank an Dr. Wolfgang Henkel, Ralph Rehbein und Giesbert Kühnle für ihre Bilder.
Claudia Müller
Das Aprilwetter bewies, dass es bei Bedarf auch schon Mai kann und zeigte sich von seiner sonnig warmen himmelblauen Seite mit ein paar fotogenen Wolkenfransen am Himmel. Manchmal läuft einem der Satz des Tages förmlich über den Weg. Auf dem Wanderweg quer durch den wildromanischen ehemaligen Gutspark ist es uns so ergangen, als eine vorbeiradelnde Dame zu ihren Mitpedaltretern meinte: „Ist das nicht furchtbar, das in diesem schönen Park diese hässlichen Viecher sind…“ Nur waren eben jene hässlichen Viecher 1954 der Grund, das eben dieser schöne Gutspark Niederhof in der ehemaligen DDR unter Schutz gestellt wurden. Phalacrocorax carbo hatte hier nach seiner Ausrottung in Gesamtdeutschland wieder seine erste kleine Kolonie bildeten. Dr. Hans- Jürgen Gottschalk aus unserer Gruppe wusste zu berichten, das schon damals, als er mit dem Sohn des Parkgärtners als kleiner Schulbub durch den Wald streifte, die ersten Kormorane mehr als polarisierten und es nicht wenige gab die den Vogel des Jahre 2010 gerne weiter im Status „ausgestorben“ gesehen hätten... Wenn man bei Google den Suchbegriff Kormoran eingibt merkt man schnell, auch ein gutes halbes Jahrhundert später hat sich daran nichts geändert. Und wenn Kormorane im Internet surfen könnten, würde sich ihr Nackengefieder bei der Lektüre einiger Diskussionsforen gehörig sträuben.
Ein herzlicher Dank an Dr. Wolfgang Henkel, Ralph Rehbein und Giesbert Kühnle für ihre Bilder.
Claudia Müller