Ausflug zu Fleischfressern & Waldgeistern
Gibt es eine Steigerungsform von perfekt? Das kleine Häufchen von GDTlern das am 1. August der Einladung zu einem Tagesausflug folgte und sich früh morgens, weit vor Sonnenaufgang an einem kleinen Moor in Nordwestmecklenburg getroffen hat, kann diese Frage mit Sicherheit mit JA beantworten…
Mit dicken Fotorucksäcken und Stativen schlängelte sich das Grüppchen im Gänsemarsch durch mannshohes Brennnesselgestrüpp und einen Erlenbruch.
An der Waldkante offenbarte sich ein wahrgewordener Fotografentraum: eine Moorlandschaft mit kleinen Wasserflächen in denen sich der pastellige Morgenhimmel spiegelte, abertausende Spinnen hatten ihre jetzt tautropfenbehangenen Netze zwischen die Pflanzenhalme gespannt, ein roter Sonnentauteppich lies die Moorwanderer genau überlegen wohin der nächsten Fuß zu setzten wäre, Nebelbänke strichen über die Szenerie, absolute Windstille bildete das I- Tüpfelchen und Rufe von Kranichen, Seeschwalben und Limikolen sorgen für den richtigen Backgroundsound… es war einer dieser Momente von den man hofft sie mögen ewig dauern um nicht zu der Entscheidung zwischen Landschaftpanorama und einen Kniefall mit Makroobjekiv für glitzerndem Sonnentau und trägen Libellen treffen zu müssen.
Jürgen Reich zeigte sich einmal mehr als sachkundiger Führer der viel aus der Geschichte des Gebietes und den Besonderheiten von Flora und Fauna zu berichten wusste. Es war schön an den Orten zu stehen wo viele Bilder und kleine Episoden ihren Ursprung hatten die in sein Moorbuch Eingang fanden.
Die Sonne stand irgendwann sehr hoch, der Magenfüllpegel erreichte eher einen niedrigen Level und der Wunsch nach einer kleinen Kaffeebohnenkoffeindosis wuchs. Die kleine Autokravane machte sich auf den Weg nach Bartenshagen, dem Heimatort von Jürgen Reich und seiner Frau. Sie hatte für die hungrige Fotografenschar in der Zwischenzeit ein so leckeres und vielfältiges Frühstück im urigen Bauerngarten vorbereitet, das es zu den nächsten Entscheidungsschwierigkeiten kam- was als Erstes essen?
Geflügelte Mitesser aus dem Reich der Insekten provozierten „Knipsschachtelbesitzer“ zu kleinen Schauvorführungen in Hinblick auf Perspektiven und Abbildungsmaßstäbe.
Gestärkt machten sich einige der Moorbesucher auf den Heimweg. Dafür klopften neue Gäste an die Pforte…
Mit Bilderauswerten, Eis- und Streuselkuchenbergen verdrücken, durch Garten- und Keramikwerkstattrundgänge, erzählen und kleine bunte Katzen kraulen verging der Nachmittag wie im Flug. Zeit die Fotorucksäcke wieder zu schultern und sich auf den Weg in den Gespensterwald bei Nienhagen zu machen. Und wie es halt so ist, wenn man in einem scheinbar vertrauten Waldgebiet unterwegs ist und sich jeder mehr oder weniger darauf verlässt, das die anderen sich schon melden würden, wenn es Zeit ist eine Biege am richtigen Abzweig zu machen, kann der kürzeste Weg dann doch sehr lang werden.
Ein späterer Blick auf die Karte zeigte, dass es eher eine ausgedehnte Gebietsbegehung war. Aber so kommt man zu einem neuen „running gag“ und blöde Sprüche und breites Grinsen sind bei den nächsten Treffen garantiert.
Die „Waldgeister“ mit ihren Lichtspots waren an diesem Abend durch die wolkenverhangene Sonne mehr als zurückhaltend.
Aber der Gespensterwald zeigte einmal mehr, dass er den Fotografen jedes Mal aufs Neue fordern kann und gute Bilder in einem der schönsten Buchenwälder unseres Bundeslandes immer erarbeitet werden wollen.
Mit Einbruch der Dunkelheit kehrten wir zu den Reichs zurück. Auf der alten Koppel prasselte schon ein Lagerfeuer. Beim Würstchengrillen am langen Stock fühlte sich so mancher in seine Kindheit zurückgebeamt und so wurde unterm Sternenhimmel alte Geschichte erzählt. Irgendwann gegen Mitternacht erlosch die Glut und die letzten Gäste krochen todmüde in ihren Schlafsack…
Claudia Müller
Bilder: Hans- Ulrich Horn und Claudia Müller